

«Was war er denn?»
«Er war ein Tümmler.»
«Das ist nicht wahr! Das stimmt doch nicht!»
«Er war ein anmutiger junger Tümmler», fuhr sie fort, «und so freundlich, wie man sich das nur vorstellen kann.»
«Großmama!», sagte ich.
«Ja, mein Schätzelchen?»
«Ist er wahr und wahrhaftig ein Delphin geworden?»
«Voll und ganz», erwiderte sie. «Ich kannte seine Mutter recht gut. Sie hat mir das alles erzählt. Sie hat erzählt, dass Leif der Tümmler den ganzen Nachmittag bei ihnen geblieben ist und seinen Geschwistern gestattet hat, auf seinem Rücken zu reiten. Sie haben sich herrlich amüsiert. Dann hat er ihnen mit seiner Flosse zugewinkt und ist fortgeschwommen. Danach haben sie ihn nie wieder gesehen.»
«Aber Großmama», sagte ich, «woher haben sie denn gewusst, dass der Tümmler auch wirklich Leif gewesen ist?»
«Er hat sich mit ihnen unterhalten», berichtete meine Großmutter. «Während er sie auf sich hat reiten lassen, hat er die ganze Zeit mit ihnen gescherzt und gelacht.»
«Aber hat das nicht einen fürchterlichen Wirbel gegeben, damals, als das passiert ist?», fragte ich.
«Eigentlich nicht», antwortete meine Großmutter. «Du musst doch wissen, dass wir hier in Norwegen mehr oder weniger an solche Sachen gewöhnt sind. Wir haben hier überall Hexen. Wahrscheinlich wohnt auch jetzt eine in unserer eigenen Straße. Nun wird es aber Zeit, dass du ins Bett gehst.»
«Heute Nacht kann doch keine Hexe durch mein Fenster kommen, oder?», fragte ich, und meine Stimme wackelte ein bisschen.
«Nein», sagte meine Großmutter. «So etwas Dummes würde keine Hexe tun, an der Regenrinne raufklettern und bei anderen Leuten einbrechen. In deinem Bett bist du sicher wie in Abrahams Schoß. Nun komm, ich stopf dir die Decke schön fest.»
