
«Und was ist mit dem vierten Kind geschehen?», fragte ich.
«Das vierte war ein Junge, der Harald hieß», sagte meine Großmutter. «Eines Morgens wurde ihm die Haut am ganzen Leibe gräulich gelb. Dann wurde sie hart und rissig, wie die Schale einer Walnuss. Bis zum Abend war der ganze Junge zu Stein geworden.»
«Stein?», fragte ich. «Meinst du wirklich Stein?»
«Granit», antwortete sie. «Wenn du willst, gehen wir zusammen hin, damit du ihn dir anschauen kannst. Sie heben ihn in seinem Haus immer noch auf. Er steht in der Halle, wie ein richtiges kleines steinernes Denkmal. Die meisten Besucher benutzen ihn als Schirmständer.»
Obgleich ich noch sehr jung war, nahm ich meiner Großmutter nicht alles ab. Sie sprach jedoch mit einer solchen Überzeugung, mit einem so tiefen Ernst, und es zuckte auch nicht das leiseste Lächeln um ihre Augen oder ihre Mundwinkel, dass ich allmählich unsicher wurde.
«Erzähl weiter, Großmama», bat ich. «Du hast mir gesagt, insgesamt wären es fünf gewesen. Was ist mit dem letzten passiert?»
«Willst du mal an meiner Zigarre ziehen?», fragte sie.
«Ich bin erst sieben.»
«Es ist mir egal, wie alt du bist», antwortete sie. «Wenn du Zigarren rauchst, kriegst du niemals eine Erkältung.»
«Was war mit Nummer fünf, Großmama?»
«Nummer fünf», murmelte sie und kaute am Mundstück ihrer Zigarre herum, als ob es der köstlichste Spargel wäre, «das war ein recht interessanter Fall. Ein neunjähriger Junge namens Leif verbrachte die Sommerferien mit seiner Familie an einem Fjord, und eines Tages veranstaltete diese ganze Familie auf einer dieser kleinen Inseln ein Picknick, und sie schwammen um die Felsen herum. Der kleine Leif sprang ins Wasser und tauchte, und sein Vater, der ihn dabei beobachtet hatte, stellte fest, dass er außergewöhnlich lange unter Wasser blieb. Als er endlich wieder herauskam, war er kein Leif mehr.»
