
«Glaubst du, dass sie gestorben ist?», fragte ich.
«Wer weiß?», gab meine Großmutter zurück. «Es gibt sehr merkwürdige Dinge in der Welt der Hexen.»
«Jetzt hast du mir von zweien erzählt», stellte ich fest. «Was ist mit der dritten passiert?»
«Die dritte war die kleine Birgit Svenson», sagte meine Großmutter. «Sie wohnte uns gegenüber, auf der anderen Seite der Straße. Eines Tages begannen ihr am ganzen Körper Federn zu wachsen. Innerhalb eines Monats hatte sie sich in ein großes weißes Huhn verwandelt. Ihre Eltern hielten sie sich jahrelang im Hintergarten in einem Käfig. Sie hat sogar Eier gelegt.»
«Was für eine Farbe hatten die Eier?», fragte ich.

«Braun», entgegnete meine Großmutter. «Die größten Eier, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Ihre Mutter hat daraus Omelettes gebacken. Köstlich, ganz köstlich sind die gewesen.»
Ich blickte zu meiner Großmutter empor, die wie irgendeine uralte Königin in ihrem Sessel thronte. Ihre Augen waren so grau wie der Nebel, und sie schienen etwas zu sehen, das meilenweit entfernt war.
In diesem Augenblick war ihre Zigarre das einzig Wirkliche an ihr, und der Rauch, der von ihr aufstieg, wogte in blauen Wolken um ihr Haupt.
«Aber das kleine Mädchen, das ein Huhn wurde, ist doch nicht verschwunden, oder?», fragte ich.
«Nein, Birgit nicht. Sie hat noch viele Jahre gelebt und ihre braunen Eier gelegt.»
«Du hast aber doch gesagt, sie seien alle verschwunden.»
«Ich habe mich geirrt», entgegnete meine Großmutter. «Ich fange an, alt zu werden. Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern.»
