

«Das musst du mich nicht fragen», versetzte sie darauf. «Aber glauben kannst du's mir. Auf dem Kopf einer Hexe wächst kein einziges Haar.»
«Wie grässlich!»
«Widerwärtig», bestätigte meine Großmutter.
«Wenn sie kahl ist, dann kann man sie doch leicht erkennen», sagte ich.
«Überhaupt nicht», erwiderte meine Großmutter, «eine echte hexe trägt immer eine Perücke, um ihre Glatze zu verbergen. Und zwar eine erstklassige Perücke. Und es ist fast unmöglich, eine erstklassige Perücke von natürlichen Haaren zu unterscheiden, außer man zieht dran und sieht, ob sie abgeht.»
«Dann muss ich das also machen», sagte ich.
«Sei doch nicht so dumm», schalt meine Großmutter. «Du kannst doch nicht in der Gegend herumlaufen und alle Damen, die dir über den Weg laufen, an den Haaren ziehen, selbst wenn sie außerdem Handschuhe tragen. Du wirst schon sehen, was passiert, wenn du das tust.»
«Dann nützt das also auch nicht viel», stellte ich fest.
«Alle diese Zeichen nützen nichts für sich allein», bestätigte meine Großmutter. «Aber wenn du sie zusammenfasst, dann können sie dir schon eine Hilfe sein. Du musst nämlich wissen», fuhr meine Großmutter fort, «dass diese Perücken den Hexen ziemliche Schwierigkeiten machen.»
«Was für Schwierigkeiten denn, Großmama?»
«Sie jucken ihnen ganz grässlich auf der Glatze», erklärte sie. «Sieh mal, wenn eine Schauspielerin eine Perücke trägt oder wenn du oder ich eine Perücke aufsetzen würden, dann ziehen wir sie uns ja über unser echtes Haar, aber eine Hexe muss sie sich auf die nackte Glatze setzen. Und die Unterseite einer Perücke ist immer etwas stachelig und kratzig. Das juckt eben scheußlich auf der blanken Haut. Es verursacht auch einen unangenehmen Ausschlag auf dem ganzen Kopf. Perückenpest nennen es die Hexen. Und wie gesagt, jucken tut es wie verrückt.»
