«Auf was noch muss ich achten, wenn ich eine Hexe erkennen will?», fragte ich.

«Auf die Nasenlöcher!», antwortete meine Großmutter. «Hexen haben etwas größere Nasenlöcher als normale Menschen. Der Rand von jedem Nasenloch ist rosa und ein bisschen gewellt, so wie der Rand von bestimmten Meeresmuscheln.»

«Warum haben sie so große Nasenlöcher?», fragte ich.

«Zum Riechen», entgegnete meine Großmutter. «Eine echte hexe verfügt über verblüffende Riechstärken. Sie kann zum Beispiel in der stockfinstersten Nacht ein Kind wittern, das auf der anderen Straßenseite steht.»

«Mich nicht», sagte ich. «Du hast mich ja gerade gebadet.»

«O doch, dich auch», erwiderte meine Großmutter. «Je sauberer du bist, desto schlimmer riechst du für eine Hexe.»

«Das kann nicht wahr sein», sagte ich.

«Ein absolut sauberes Kind strömt für eine Hexe den ärgsten Gestank aus», sagte meine Großmutter. «Je dreckiger du bist, desto weniger riechst du.»

«Aber das ist doch nicht logisch, Großmama.»

«Und ob», antwortete meine Großmutter. «Es ist ja nicht der Dreck, den die Hexe riecht, sondern das bist du. Der Geruch, der eine Hexe verrückt macht, kommt direkt aus deiner eigenen Haut. Du atmest ihn sozusagen aus, in Wellen, und diese Wellen, Stink-Wellen, wie die Hexen sie nennen, schweben durch die Luft und treffen die Hexen wie ein Faustschlag in der Nase. Sie hauen sie einfach um.»

«Aber wart mal, Großmama...»

«Unterbrich mich nicht», fuhr sie fort. «Der Punkt ist nämlich: Wenn du dich eine Woche lang nicht gewaschen hast und wenn deine Haut dann über und über mit Dreck bedeckt ist, dann kommt nur ein Bruchteil von diesen Stinkwellen durch.»

«Nie wieder werd ich mich baden», schwor ich.



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