
«Wenigstens nicht allzu oft», sagte meine Großmutter. «Einmal im Monat ist für ein gesundes Kind vollkommen ausreichend.»
In solchen Augenblicken liebte ich meine Großmutter mehr denn je.
«Großmama», sagte ich, «wenn es nun stockfinstere Nacht ist, wie kann eine Hexe den Unterschied zwischen einem Kind und einem Erwachsenen riechen?»
«Weil Erwachsene keine Stinkewellen von sich geben», erklärte sie. «Das tun nur Kinder.»
«Aber ich geb doch nicht wirklich Stinkewellen von mir, oder?», fragte ich ängstlich. «Jetzt im Augenblick lass ich doch wirklich keine aus mir rausströmen, oder?»
«Für mich sowieso nicht», beruhigte mich meine Großmutter. «Für mich riechst du nach Himbeeren und Sahne. Aber für eine Hexe riechst du eben absolut ekelerregend.»

«Hundeköttel», antwortete meine Großmutter.
«Nach was würd ich denn riechen?», fragte ich.
Ich musste würgen. Ich war vollkommen niedergeschmettert. «Hundeköttel», schrie ich. «Ich riech doch nicht nach Hundekötteln! Das glaub ich nie und nimmer! Das will ich einfach nicht glauben!»
«Um genau zu sein», fuhr meine Großmutter mit einer gewissen Befriedigung fort, «riechst du für eine Hexe nach ganz frischem Hundedreck.»
«Das ist einfach nicht wahr!», rief ich. «Ich weiß, dass ich nicht nach Hundedreck rieche, weder nach frischem noch nach vertrocknetem!»
«Es hat gar keinen Sinn, sich darüber zu streiten», sagte meine Großmutter. «Das ist nun mal eine der Grundtatsachen des Lebens.»
Ich war vollkommen außer mir, ich konnte mich einfach nicht überwinden, das zu glauben, was mir meine Großmutter erzählte.
«Wenn du also eine Frau auf der Straße siehst, die sich die Nase zuhält, wenn sie an dir vorbeigeht», fuhr sie fort, «dann könnte diese Frau eine Hexe sein.»
