
Ich beschloss, das Thema zu wechseln. «Erzähl mir lieber, wonach ich noch bei einer Hexe Ausschau halten muss», bat ich.
«Die Augen», sagte meine Großmutter. «Schau ihr genau in die Augen, denn die Augen einer echten hexe sind ganz anders als deine oder meine. Du musst genau in die Pupille schauen, wo normalerweise dieser kleine schwarze Punkt sitzt. Wenn es eine Hexe ist, dann wird dieser schwarze Punkt in allen Farben spielen, zuerst siehst du Feuer flackern, und dann siehst du Eisschollen tanzen, genau mittendrin in der Regenbogenhaut des Auges. Und es wird dir kalt den Rücken hinunterlaufen.»
Meine Großmutter lehnte sich in ihrem Sessel zurück und sog zufrieden an ihrer stinkigen schwarzen Zigarre. Ich hockte auf dem Boden und starrte wie gebannt zu ihr empor. Kein Lächeln lag auf ihrem Gesicht. Sie sah todernst aus.
«Gibt es noch was?», fragte ich sie.
«Aber natürlich, alles Mögliche», antwortete meine Großmutter. «Du scheinst noch nicht ganz zu begreifen, dass Hexen in Wirklichkeit gar keine Frauen sind. Sie sehen nur wie Frauen aus. Sie reden wie Frauen. Und sie sind imstande, sich wie Frauen zu benehmen. Aber in Wirklichkeit sind sie vollkommen andere Wesen. Sie sind Dämonen in menschlicher Gestalt. Deshalb haben sie die Klauen und die Glatzen - und die komischen Nasen und die merkwürdigen Augen, und deshalb müssen sie das alles so gut wie möglich vor der Welt und den Menschen verbergen.»
«Was ist bei ihnen sonst noch anders, Großmama?»
«Die Füße», erwiderte sie. «Hexen haben keine Zehen.»
«Keine Zehen!», rief ich aus. «Was haben sie denn stattdessen?»
«Eben nur Füße», sagte meine Großmutter. «Sie enden einfach glatt, wie ein Block, ohne Zehen dran.»
«Fällt ihnen deshalb nicht das Gehen schwer?», fragte ich.
«Überhaupt nicht», entgegnete meine Großmutter. «Aber sie haben natürlich Schwierigkeiten mit den Schuhen. Alle Damen tragen doch gerne schmale spitze Schuhe, und deshalb macht es einer Hexe ziemliche Mühe, ihre breiten plumpen Füße in solche zierlichen, kleinen spitzen Schuhe zu zwängen.»
