«Warum trägt sie denn keine breiten gemütlichen Schuhe, die vorne halt so breit wie ein Kasten sind?», fragte ich.

«Das wagen sie nicht», entgegnete meine Großmutter. «So wie eine Hexe die Glatze unter der Perücke versteckt, so muss sie ihre hässlichen Füße verstecken, indem sie sie in hübsche Menschenschuhe quetscht.»

«Ist das nicht schrecklich unbequem?», fragte ich.

«Grauenhaft unbequem», antwortete meine Großmutter. «Aber damit muss sie zurechtkommen.»

«Wenn sie also normale Schuhe anhat, dann kann ich sie daran auch nicht erkennen, nicht wahr, Großmama?»

«Ich fürchte, du hast Recht», sagte meine Großmutter. «Es könnte dir vielleicht auffallen, dass sie ein wenig humpelt, aber nur, wenn du ganz genau darauf achtest.»

«Und das sind die einzigen Unterschiede, Großmama?»

«Es gibt noch einen», sagte meine Großmutter. «Noch einen einzigen.»

«Was ist das denn, Großmama?»

«Ihre Spucke ist blau.»

«Blau!», schrie ich. «Doch nicht blau! Ihre Spucke kann doch nicht blau sein!»

«So blau wie Blaubeeren», wiederholte sie.

«Das ist nicht dein Ernst, Großmama! Keiner kann blaue Spucke haben!»

«Hexen wohl», erwiderte sie.

«So wie Tinte?», fragte ich.

«Ganz genau», sagte sie. «Sie pflegen sie sogar zum Schreiben zu benutzen. Sie verwenden diese altmodischen Federhalter mit Stahlfedern, die vorne an der Spitze eine kleine Kuhle haben. Und diese Spitze lecken sie einfach an.»

«Kann man die blaue Spucke erkennen, Großmama? Wenn sich eine Hexe zum Beispiel mit mir unterhält, könnte ich sie dann erkennen?»

«Nur wenn du ganz genau hinschaust», antwortete meine Großmutter. «Wenn du nämlich ganz genau hinschaust, dann könntest du vielleicht sehen, dass sie einen bläulichen Belag auf den Zähnen haben. Aber sehr auffällig ist das nicht.»



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