
«Nur wenn sie ausspucken», bemerkte ich.
«Hexen spucken nie», erwiderte meine Großmutter. «Das wagen sie gar nicht.»
Ich konnte mir nicht vorstellen, dass mich meine Großmutter anschwindelte. Sie ging jeden Morgen in die Kirche, und sie sprach vor jeder Mahlzeit ein Gebet, und jemand, der sich so benimmt, würde doch wohl nicht lügen. Ich war also so weit, ihr jedes Wort zu glauben, das aus ihrem Munde kam.
«Das war's also», sagte meine Großmutter. «Das ist alles, was ich dir berichten kann. Keine große Hilfe für dich. Du kannst immer noch nicht mit Sicherheit sagen, ob die Frau, die du vor dir hast, eine Hexe ist oder nicht. Aber wenn sie Handschuhe trägt, wenn sie große Nasenlöcher und solche komischen Augen hat, wenn ihre Frisur so aussieht, als ob es eine Perücke sein könnte, und wenn sie einen bläulichen Belag auf den Zähnen hat - und wenn das alles auf einmal zutrifft, dann nimm die Beine unter die Arme und lauf.»
«Großmama», sagte ich, «hast du einmal eine Hexe getroffen, als du ein kleines Mädchen warst?»
«Einmal», antwortete meine Großmutter, «nur ein einziges Mal.»
«Und was ist da passiert?»
«Das werd ich dir nicht erzählen», sagte sie. «Du würdest den Schreck deines Lebens kriegen und Alpträume bekommen.»
«Ach bitte, erzähl's mir doch», bettelte ich.
«Nein» erwiderte sie. «Gewisse Dinge sind so fürchterlich, dass man nicht über sie sprechen kann.»
«Hat es etwas mit deinem fehlenden Daumen zu tun?», fragte ich.
Ihre alten runzligen Lippen pressten sich plötzlich fest zusammen, und die Hand, mit der sie die Zigarre hielt (und an der kein Daumen mehr saß), begann ein wenig zu beben.
Ich wartete. Sie schaute mich nicht an. Sie sagte kein Wort. Sie hatte sich ganz in sich selbst zurückgezogen. Das Gespräch war zu Ende.
